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Artikel Bankinformation 01/2009

Die Präsenz in der Heimat ist unsere Stärke

Seit einigen Jahren handeln wir nach dem Motto „Wir sind Heimat“. Damit drücken wir unsere wirtschaftliche und soziale Verbundenheit mit der Region, in der wir leben und arbeiten, aus.
Die Regionalität ist die Grundlage unserer täglichen Arbeit – das Selbstverständnis, auf dem unsere Bank aufgebaut ist. „Wir sind Heimat“ dient als Basis einer Kampagne, mit der wir dem Strukturwandel in unserer Region entgegenwirken: Sie unterstreicht unsere Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklungunserer Heimat. 

Neben der Regionalität fußen die Leitlinien unserer Bank auf zwei weiteren Säulen: Vertrauen und Sicherheit stehen ebenso im Fokus unseres Auftrags. Ein persönliches Vertrauensverhältnis und der regelmäßige Kundenkontakt sind das A und O unserer täglichen Arbeit. Unsere Mitarbeiter nehmen sich Zeit und haben ein offenes Ohr für ihre Kunden. Die Persönlichkeiten der Bank sind in der Öffentlichkeit bekannt und sowohl wirtschaftlich als auch sozial stark in der Region verwurzelt. Wir machen Geschäfte mit Menschen, die wir kennen und die uns kennen. 

Sicherheit ist der dritte Pfeiler, auf den sich unser Geschäftsmodell stützt. Wir konzentrieren uns auf das Kerngeschäft in der Heimat und binden das Kapital am Ort, wo es gebildet wird. Aktiv sind wir nur in unserer Region und handeln nach dem regionalen Wirtschaftsprinzip „Kreditnehmer der Region, Anleger der Region“ – und wurden dafür in der Vergangenheit von anderen Instituten oftmals belächelt. Heute, in Zeiten der Finanzkrise, zahlt sich unsere Einstellung aus und wir werden sogar für unser Handeln beneidet. Wir orientieren uns an realwirtschaftlichen Transaktionen, das heißt, dass wir uns nicht an risikoreichen, spekulativen Geschäften beteiligen. Wir versprechen keine
Überrenditen, dafür sind unsere Einlagen aber absolut sicher. 

Verwurzelt in der regionalen Wirtschaft
Die Volksbank RheinAhrEifel folgt wie ihre Vorläufer – kleine effiziente Einheiten die ursprünglich als Hilfe zur Selbsthilfe gegründet wurden – auch aktuell noch dem genossenschaftlichen Grundprinzip. Damals wie heute ist das Modell der „Volksbank“ ein fester, nicht mehr weg zu denkender Bestandteil der Wirtschaft unserer Heimat. 

Die Volksbank RheinAhrEifel ist mit einem Geschäftsgebiet vertreten, das sich vom Rhein bei Remagen bis in den Süden der Vulkaneifel nach Gillenfeld, vom Mittelrhein um Andernach, das Maifeld um Polch bis in die Hocheifel um die Hohe Acht und den Nürburgring erstreckt. Um trotz dieser Dimensionen nahe bei den Menschen und den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Regionen zu sein, ist das Gebiet in Regionalmärkte unterteilt. Jeder dieser Märkte hat als bedeutendste Schnittstelle zu den dort lebenden Mitgliedern und Kunden eine eigene Regionalkonferenz. In jedem Markt unterstützt ein Regionalbeirat den Vorstand bei seiner Arbeit, der für eine lokale Verankerung sorgt. Jeder Markt wird von einem Direktor verantwortlich geleitet. Dies bedeutet: Die Betreuung unserer Mitglieder und Kunden sowie der Vertrieb unserer Leistungen finden nach wie vor unmittelbar vor Ort statt. 

Dezentralität und Regionalität: von verschiedenen Verwaltungsgremien wie Vertreterversammlung,
Aufsichtsrat, Regionalbeirat und Regionalkonferenz organisiert, mit der Satzung legalisiert und durch den täglichen Umgang unserer Mitarbeiter mit den Mitgliedern und Kunden realisiert.

Die Volksbank RheinAhrEifel eG gehört heute zu den großen Genossenschaftsbanken in Deutschland. Mit ihrer Bilanzsumme von über 1,7 Mrd. Euro ist die Volksbank RheinAhrEifel ein unverzichtbarer Faktor der Finanzwirtschaft in unserer Heimat. Wir investieren in die Region, wir zahlen Jahr für Jahr Steuern, die unserer Heimat zugute kommen. Seit Jahrzehnten leisten wir mit der Ausbildung von jungen Menschen einen Beitrag zur Arbeitskräftestruktur. 

Strukturwandel gefährdet die Region
Die Auswirkungen des demographischen Wandels, dass die Bevölkerung schrumpft und im Schnitt älter wird, verändert die Lebensbedingungen der Menschen in der Region enorm: In unserem Geschäftsgebiet blicken wir auf eine überwiegend ländliche Struktur. Wir müssen achtsam sein: Junge Menschen ziehen Studien- und Arbeitsplätzen hinterher und werden in den Ballungszentren der Umgebung sesshaft, wenn es keine Arbeitsplätze in der Region gibt. Sie verlieren die Bindung an ihre Heimatorte und lassen Immobilien zurück, deren Preise über kurz oder lang sinken. Hier geht es ebenso um den Vermögenserhalt geschaffener und ersparter Werte der vorangegangenen Generationen. Übrig bleiben die älteren Menschen. Für unsere Region bedeutet dies, dass Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden ihre Existenzberechtigung verlieren und zu größeren Einheiten zusammengefasst werden. Die derzeitige Infrastruktur lässt sich mit immer weniger und älteren Einwohnern auf Dauer nicht Aufrecht erhalten. 

Mit dieser Entwicklung besteht die Gefahr eines Teufelskreises zulasten unserer Heimat: Je mehr junge Menschen aus der Region wegziehen oder täglich zu ihrem Arbeitsort pendeln und dort konsumieren, desto weniger Kaufkraft verbleibt hier. Mit der Folge, dass heimische Unternehmen weniger Umsatz machen. Dies wiederum bedeutet: weniger Ausbildungsplätze, geringeres Steueraufkommen, geringere finanzielle Unterstützung der Kommunen für die Infrastruktur – und letzten Endes erhebliche Einbußen in der Lebensqualität. 

Das regionale Handwerk, die Dienstleistung und das Gewerbe in den Mittelzentren vor Ort müssen gestärkt werden. Der regionale Unternehmer, der eine starke persönliche Bindung an sein Umfeld hat, zahlt Steuern an seine Kommune und lässt den Vereinen ein kleines Sponsoring zukommen. Er lebt, arbeitet und investiert in seiner Heimat. Draußen auf der grünen Wiese reihen sich verschiedene SB-Discounter großer Ketten an diverse Baumärkte. Eines ist allen gemeinsam: Sie haben kaum regionalen Bezug. Sie beziehendie Waren ihres Angebotes überregional, und die Erlöse aus den Verkäufen verlassen unsere Region taggleich in Richtung ferner Zentralen. Sie sind dem Shareholder Value Prinzip verpflichtet. Die Steuerung des Marktes erfolgt aus einer überregionalen oder gar internationalen Zentrale. Die Politik des Gesamtkonzerns ist global ausgerichtet und dessen Spitzen haben entscheidenden Einfluss darauf, ob, wo und wann welche Steuern gezahlt werden. 

Diese Spirale nach unten muss gestoppt werden, wenn die Region wirtschaftlich nicht ausbluten soll. Wir brauchen eine starke heimische Wirtschaft. Unsere Region braucht junge Menschen, ihre Arbeits- und Kaufkraft, damit die Gegend für das heimische Gewerbe interessant bleibt. In einer immer globaler werdenden Welt können nur starke Regionen mit Gesicht und Format bestehen.

Mitverantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung
Angesichts der angespannten Situation unseres Wirtschafts- und Lebensraumes haben wir die Kampagne „Wir sind Heimat“ entwickelt, um zu helfen, diesen verhängnisvollen Trend wieder umzudrehen. Wir sind uns unserer Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region bewusst. Die Gelder, die wir als Einlagen von unseren Kunden erhalten, bleiben in dieser Region. Sie werden zur Finanzierung des heimischen Mittelstandes, des Wohnungsbaus und des privaten Konsums in unserer Heimat verwandt. Das ist der Auftrag, den uns die Bürger der Region, die unsere Mitglieder sind, gegeben haben. 

Wir müssen unseren Kunden und potenziellen Kunden verdeutlichen, dass mit jedem Euro, der unsere Region verlässt, auch die Wirtschaftskraft unserer Region geschwächt wird. Die Umkehrung des Verhaltens der Menschen kann nur durch eine Bewusstseinsbildung und –änderung erfolgen. 

Unser Weg: Konzepte für die Bewusstseinsveränderung
Um eine nachhaltige Veränderung im Bewusstsein der Menschen zu erreichen, sind eine Vielzahl von Aktivitäten notwendig. Verschiedene Konzepte haben wir bereits erfolgreich initiiert und weitere kommen hinzu.

Unterricht in „Regionaler Wirtschaft“
In Zusammenarbeit mit den Fachlehrern der Schulen vor Ort erarbeiten wir einen Unterrichtsblock „Heimische Wirtschaft“ oder „Wie funktioniert regionale Wirtschaft?“. Wir werden die Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen und bei Bedarf Vorträge in den Schulen halten, um den Kindern und Jugendlichen die Zusammenhänge der regionalen Wirtschaft zu erklären. Unser Ziel ist es, das pädagogische Konzept zum festen Bestandteil des Unterrichts unserer Schulen werden zu lassen. 

Zukunftspreis Heimat
Stolz sind wir auf den von uns geschaffene „Zukunftspreis Heimat der Volksbank RheinAhrEifel“. Damit richten wir uns an alle, die etwas Gutes für unsere Heimat tun. Dies können Bürger, Unternehmen, Vereine, Verbände und sonstige Institutionen sein. Ihre Idee, Kreation oder Aktivität muss geeignet sein, einen bemerkenswerten Beitrag zu leisten, um die Infrastruktur und Lebensqualität für Menschen und Unternehmen in der Region zu verbessern. Die Auslobung des Zukunftspreises, der mit 20.000 Euro dotiert ist, hat ein großes Echo in der gesamten Heimat ausgelöst. Gemeinsam leisten wir einen Beitrag zum Erhalt unserer Wirtschaftsregion. 

Bürgerstiftung
Wir planen, in naher Zukunft eine Bürgerstiftung ins Leben zu rufen, die sich fördernd für das lokale Gemeinwohl einsetzen wird. Dabei ist die Volksbank RheinAhrEifel gleichzeitig Initiator und Kapitalgeber. Mitgetragen wird die Stiftung von den Bankmitgliedern – das sind zur Zeit 78.000 Bürger, die die Stiftung mit einem jährlichen Solidarbeitrag für unsere Heimat fördern werden. Die Dividende, die die genossenschaftliche Bank an ihre Mitglieder ausschüttet, wird zu diesem Zweck um einen Prozentpunkt erhöht. Damit hat die Mitgliedschaft bei der Volksbank RheinAhrEifel einen zusätzlichen Wert: das gemeinsame soziale Engagement für unsere Region. 

An unserem regionalen Einsatz erkennt man, dass wir mehr sind als „Bank“: Wir sind ein Stück Heimat und setzen uns für die Erhaltung des Charakters und der Vielfalt unserer Region ein. Als Genossenschaft sind wir bei der Gestaltung der Zukunft unserer Heimat ein aktiver und starker Mit-Macher.

Unsere Bank besteht nunmehr seit über 140 Jahren. Während dieser Zeit haben wir uns stets gewandelt: Von Dorfbanken über lokale Banken bis zur Regionalbank RheinAhrEifel. Veränderungen sind Teil unserer Geschichte, niemals aber dürfen wir unsere Wurzeln, unsere Erdung, als Genossenschaftsbank aufgeben. Auch wir mussten unsere dezentrale Vielfalt reduzieren und Filialen schließen, da sich der Bewegungsraum und die Bedürfnisse unserer Kunden geändert haben. Wir bauen nicht auf Steine, sprich stationäre Einheiten, sondern auf Beziehungen. Die Mitglieder als Menschen und die persönlichen Beziehungen zu ihnen stehen im Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit. Wir sind ihr verantwortungsbewusster Partner in allen Lebenslagen – nah und vertraut.
Bankgeschäft ist Vertrauenssache, Vertrauen machen wir an kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fest, die unsere Kunden kennen. Wir müssen stets dort sein, wo der Kunde uns braucht. Auch künftig müssen wir veränderbar sein, ohne allerdings unsere Grundhaltung zu ändern. Nah bei den Kunden, vertraut in den Beziehungen und das hohe Maß an Vertrauen nicht enttäuschend: sicher und kompetent. Das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken sichert Werte und stiftet Nutzen. Deshalb hat es auch weiterhin eine Zukunft. 

Elmar Schmitz ist Vorstandsmitglied der Volksbank RheinAhrEifel eG